„22jährige tödlich verunglückt“ stand später in der Abendzeitung.
(Die Geschichte hat sich genau so zugetragen)
Der Schock saß tief! Im Herbst des Jahres 1995, als mich mein bester Freund in der Arbeit anrief und mir erzählte, was Schreckliches geschehen war.
Wohlwissend, dass ich selbst am Morgen dieses schrecklichen Unfalls, an dem meine Seelenfreundin Doris ihr viel zu junges Leben gänzlich unverschuldet verlor, wegen diesem Ereignis im Stau stand. Auf der A3 Richtung Nürnberg-Nord, als sich der Herbst von seiner grauen kühlen Seite zeigte, auf dem Weg zum Flughafen, meiner damaligen Arbeitsstelle. Doris arbeitete damals ebenfalls am Flughafen, im Schichtdienst, musste jeweils um 5Uhr mit der Arbeit beginnen. Und ich einige Stunden später, damals gab es weder Navi noch Smartphone, als ich den gewaltigen Stau umfuhr, mitten durch die Stadt, um dann „zufällig“ und komplett unbewußt vorbeizukommen, an diesem magischen Ort, an dem wir uns ein paar Jahre vorher näher kamen.
Zwei Jahre zuvor:
Es war in einer lauen Sommernacht gewesen, eine, wie sie damals noch sehr selten vorkam, man konnte diese Art von Nächten eines Sommers an einer Hand abzählen, eine Nacht, die am besten nie enden sollte. Es mochten weit über 20 Grad gewesen sein, als wir nach der Disco an diesem kleinen See in einem abgelegenen Waldstück, nahe des Tiergartens, wie zufällig, aber sehr zielstrebig vorbei kamen. Wir beide waren damals um die 20 Jahre alt, machten uns keine Gedanken an morgen oder an die Zukunft. Es war ein Leben im Hier und Jetzt. Komplett. Alles war so unbeschwert, es gab genug Arbeit für alle, und genügend Wohnungen, die bezahlbar waren. Die Mauer und der Ost-West-Konflikt waren seit ein paar Jahren Geschichte und man hatte den Eindruck, die Welt würde ab sofort besser werden, viel besser! Vor allem für uns beide. Bis sich Doris in einen anderen verliebte. Und ich dies erst viel später erfuhr, und damals eine Welt für mich zusammenbrach.
Zurück zum Geschehenen…
Synchronizität 1:
Nun fuhr ich also am Tag des Unfalls, wie von einer magnetischen Leine gezogen, „zufällig“ an jenem magischen Ort vorbei, weil ich den Stau umfuhr, und ich mochte mich in diesem Moment so gerne an diese eine Sommernacht erinnern, als wir uns noch liebten, wie zwei verliebte Teenager. Doris war irgendwie bei mir, als würde sie mir ein Zeichen senden, ich hatte sie gespürt. Obwohl sie schon auf dem Weg in eine andere Dimension war, was mein Verstand noch nicht wußte, meine Seele schon.
Synchronizität 2:
Einen Tag vor diesem Unglück lief im Abendprogramm in meiner allerersten kleinen Wohnung auf einem kleinen Röhrenfernseher der Marke Grundig der ergreifende Spielfilm „König der Fischer“ mit den beiden grandiosen Schauspielern Robin Williams und Jeff Bridges. „Der Film handelt von Vergebung, von Freundschaft und Liebe, und benutzt dabei das Motiv der Suche nach dem Heiligen Gral.“ (Wikipedia). Wie bezeichnend! Noch bezeichnender, gar unheimlich, dass ich eben diesen Spielfilm auf VHS-Kassette besaß und vor ein oder zwei Jahren an Doris ausgeliehen hatte. Sie hatte ihn immer noch bei sich, aber ich hätte ihr damals wirklich alles geschenkt, mein Herz hatte sie schon, später immer noch. Meine Güte! Doris war irgendwie bei mir, als würde sie mir ein Zeichen senden, ich hatte sie gespürt. Sie ahnte an diesem Abend wohl nicht, dass sie wenige Stunden später auf dem Weg in eine andere Dimension sein würde. Oder vielleicht doch?
90er
Eine Welt ohne Streaming, dafür mit echten Kassetten. Eine Welt, in der man sich telefonisch per Festnetz, oder persönlich, verabredete. Und komischerweise kam damals auch so gut wie nie etwas dazwischen. Keine Absage per Whatsapp-Nachricht zehn Minuten vor dem Treffen, weil sich spontan etwas Attraktiveres ergab. Diese Welt im Deutschland der 90er Jahre war irgendwie verbindlich. Nicht besser. Aber verbindlicher. Echte und unechte Freundschaften. Wie heute. Jedenfalls die Musik war um Welten besser als alles, was danach kam. Rosenstolz, Michael Jackson, Shania Twain, Westernhagen, Simply Red, Jamiroquai, Prince.

Geht es im Leben nicht ständig um Vergebung, Freundschaft und Liebe?
„König der Fischer“ ist für immer und ewig, zumindest in diesem Leben, Doris gewidmet. Und mir. Wer kann schon von sich behaupten, immer ehrlich zu sich selbst und anderen gewesen zu sein?! Und wer ist nicht immer irgendwie auf der Suche nach dem Heiligen Gral? Vielleicht hatte Doris ihren seelischen Heiligen Gral in sich selbst gefunden, und ihre Seelenaufgabe in nur 22 Erdenjahren erfolgreich zu Ende gebracht? Wenn unser irdisches Dasein so funktioniert, es ist nur eine von hunderten anderen Thesen, dann ist der irdische Tod die unweigerliche Konsequenz dessen. Dann braucht es auch keine Trauer, eher eine Feier zu Ehren des Heimkommens, ein göttlicher Glückwunsch zum Erreichen des Heiligen Grals. Ein Staubkorn, dass freundlich nach Hause geweht wird und eine Geschichte hinterlassen hat, die sich um Vergebung, Freundschaft und Liebe drehte.
In Gedenken an Doris (1973 – 1995) – Und Danke für deine Zeichen als versöhnenden und liebevollen Abschied.
Copyright: Alex Miller
Bilder: KI-generiert (ChatGPT)

Über den Autor:
Alex Miller, Mystiker, Autor und Life Coach lebt am Rande der fränkischen Alb im Nürnberger Land. Er wurde bekannt mit seinem Blog »Gehvoran«, den er zwischen 2010 und 2022 schrieb. Neben Spiritualität, Esoterik und Psychologie gilt sein Interesse der germanischen Mythologie und der Lebensweise unserer Vorfahren. Seiner Überzeugung nach sind sowohl in den alten Mythen als auch in der archaischen Lebensweise viele Lösungen für die heutigen Probleme zu entdecken.




