Ist es möglich, das nicht jeder Mensch über dieselbe Form von Bewusstsein verfügt? Diese momentan sehr populäre These begegnet uns erstaunlicherweise bereits in zahlreichen alten Kulturen und spirituellen Überlieferungen. Bestimmt beobachtest auch du viele Menschen in deinem Umfeld, die:
– ungeprüft die Meinung anderer übernehmen (bestes Beispiel: „C-Zeit“)
– sich kaum für philosophische oder spirituelle Fragen interessieren
– ablehnend oder aggressiv reagieren, sobald grundlegende Weltbilder hinterfragt werden
– für die persönliche Entwicklung keine Rolle spielt
– mechanisch wirken
– nur nach starren Mustern reagieren
Solche („Nicht“)-Verhaltensweisen könnten darauf hinweisen, dass viele Menschen über einen überwiegend programmierten und begrenzten Bewusstseinszustand verfügen. Man kann jedoch dagegen halten, dass solche Verhaltensweisen ebenso durch Erziehung, gesellschaftliche Prägung oder psychologische Faktoren erklärt werden können. Oder weil der individuelle Mensch noch nicht weit genug fortgeschritten ist in seiner Bewusstwerdung.
Was sagen die alten Kulturen?
Die vedischen Schriften Indiens beschreiben die Menschheit als Wesen unterschiedlicher Bewusstseinsstufen. In der Bhagavad Gita unterscheidet Krishna zwischen Menschen göttlicher Natur (Daivi) und solchen, die vollständig von ihrer niederen, egoistischen Natur (Asuri) beherrscht werden. Darüber hinaus erklären die Veden die gesamte Menschheit durch die drei Gunas: Tamas (Trägheit und Unwissenheit), Rajas (Ego, Machtstreben und Begierde) sowie Sattva (Weisheit und spirituelle Erkenntnis). Ein Mensch, der vollständig unter dem Einfluss von Tamas lebt, handelt nahezu ausschließlich automatisch, materiell orientiert und ohne höhere Selbsterkenntnis – ein Gedanke, der erstaunliche Parallelen zur heutigen NPC-Theorie aufweist.
Im Buddhismus gilt die Unwissenheit (Avidya) als eigentliche Ursache allen Leidens. Der gewöhnliche Mensch lebt mechanisch, folgt seinen Begierden und erkennt die wahre Wirklichkeit nicht.
Die Gnostiker unterschieden bereits vor fast zweitausend Jahren zwischen rein materiell orientierten Menschen (Hylics), spirituell Suchenden (Psychics) und jenen, die den göttlichen Funken (Pneumatics) in sich tragen.
Auch in der Hermetik findet sich ein ähnlicher Gedanke. Dort heißt es, dass nicht alle Menschen den Nous, also die göttliche Vernunft oder das höhere Bewusstsein, besitzen. Menschen ohne diesen göttlichen Funken gleichen eher vernunftlosen Wesen, obwohl sie äußerlich wie gewöhnliche Menschen erscheinen.
Und selbst viele nordamerikanische Indianervölker, etwa die Lakota oder Hopi, unterschieden zwischen Menschen, die mit dem Großen Geist verbunden sind, und jenen, die ausschließlich für Macht, Besitz und Ego leben und dadurch ihre innere Verbindung zur Schöpfung verloren haben. Ich vermute, hier sind vor allem die „weißen Männer“ gemeint, die zur Ausrottung vieler indigener Völker maßgeblich beigetragen haben.
Auch bei den Maya findet sich die Vorstellung, dass der größte Teil der Menschheit in einer Art Traum lebt und nur wenige Menschen die wahre kosmische Ordnung erkennen.

Rudolf Steiner und Menschen ohne Ich
Zu den bekanntesten Vertretern der NPC-These der Neuzeit gehört Rudolf Steiner. In privaten Gesprächen äußerte er die Ansicht, dass es Menschen geben könne, die zwar einen menschlichen Körper besitzen, jedoch kein vollständig inkarniertes individuelles Ich. Stattdessen würden andere Wesenheiten den Körper beleben. Solche Menschen sprechen, arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, ohne jedoch jene geistige Individualität zu besitzen, die den eigentlichen Menschen ausmacht. Nach dem Tod würde sich ihre Wesenheit wieder in die Natur auflösen, während ein individueller geistiger Entwicklungsweg fehle.
Was genau versteht man unter einem NPC?
Der Begriff NPC stammt ursprünglich aus der Welt der Computerspiele. Er steht für Non-Playable Character, also einen Charakter, der nicht von einem Spieler gesteuert wird. NPCs bewegen sich innerhalb der Spielwelt, erfüllen bestimmte Aufgaben und reagieren auf vorgegebene Situationen, besitzen jedoch kein eigenes Bewusstsein wie der eigentliche Spieler.
Überträgt man dieses Konzept auf unsere Welt, entsteht die Hypothese, dass es Menschen geben könnte, die zwar biologisch vollständig funktionieren, deren Verhalten jedoch überwiegend durch Programme, Gewohnheiten und äußere Einflüsse bestimmt wird. Sie wirken äußerlich vollkommen normal, folgen aber hauptsächlich gesellschaftlichen Mustern und entwickeln kaum ein eigenständiges spirituelles oder philosophisches Interesse.
Dabei geht es nicht darum, diese Menschen abzuwerten. Vielmehr stellt sich die Frage, ob Bewusstsein unterschiedliche Entwicklungsstufen besitzen könnte. Denn:
„Die meisten Menschen werden als Original geboren, und sterben als Kopie.“
Dolores Cannon und die Kulissenmenschen
Die amerikanische Hypnotherapeutin Dolores Cannon prägte den Begriff der Kulissenmenschen (Backdrop People).
Nach ihren Rückführungen existieren innerhalb unserer Realität Wesen, deren Aufgabe nicht in einer eigenen spirituellen Entwicklung besteht. Sie seien vielmehr Teil der „Kulisse“, ähnlich wie Statisten in einem Film. Sie arbeiten, kaufen ein, gehen spazieren oder sitzen im Café. Von außen unterscheiden sie sich in keiner Weise von anderen Menschen. Innerlich jedoch, so Cannon, verfügen sie nicht über dieselbe Form individueller Seelenentwicklung wie inkarnierte Seelen. Sie verfolgen überwiegend materielle Ziele, interessieren sich selten für spirituelle Fragen und orientieren sich stark an der jeweiligen Mehrheitsmeinung.
Man kann auch annehmen, dass genau solche Menschen besonders leicht manipulierbar sind – nicht, weil sie dümmer wären, sondern weil ihnen die Programmierung fehlt, ihre eigene Realität grundsätzlich zu hinterfragen.
Schlafende Menschen oder NPCs?

Nicht jeder Mensch, der sich ausschließlich für Alltag, Beruf oder Konsum interessiert, ist automatisch ein NPC. Viele spirituelle Traditionen gehen vielmehr davon aus, dass jeder Mensch unterschiedliche Entwicklungsphasen durchläuft. Manche beginnen bereits früh, über den Sinn des Lebens nachzudenken. Andere erwachen erst nach Krisen, Krankheiten oder einschneidenden Erfahrungen. Ein spirituell schlafender Mensch besitzt dennoch die Fähigkeit, eines Tages zu erwachen.
Die eigentliche NPC-Theorie behauptet dagegen, dass manche Wesen dieses Entwicklungspotenzial grundsätzlich nicht besitzen.
Synchronizitäten und innere Führung
Menschen berichten immer wieder von außergewöhnlichen „Zufällen“, symbolischen Träumen oder Begegnungen, die ihr gesamtes Leben verändern. Carl Gustav Jung prägte hierfür den Begriff der Synchronizität. Solche Ereignisse erkennen wir meist als Hinweise einer höheren Führung oder als Lernaufgaben der Seele. Hier kann man interpretieren, dass solche Erfahrungen hauptsächlich Menschen mit einem individuellen Seelenweg widerfahren. Menschen ohne diesen „Entwicklungsauftrag“ würden dagegen überwiegend den Gesetzen von Zufall, Biologie und gesellschaftlicher Programmierung folgen. Aus eigener Beobachtung in meinem persönlichen Umfeld kann ich dies vollauf bestätigen.
Die eigentliche Botschaft
Die entscheidende Frage lautet möglicherweise gar nicht:
„Ist der andere ein NPC?“
Sondern vielmehr:
„Wie bewusst lebe ich selbst?“
– Wie viele meiner Gedanken stammen tatsächlich von mir – und welche Prägungen habe ich übernommen?
– Handle ich aus eigener Erkenntnis und Überzeugung oder folge ich nur Programmen, die mir Familie, Schule, Medien oder Gesellschaft vermittelt haben?
Entscheidend ist doch, ob wir selbst bereit sind, unsere eigenen Programme zu erkennen. Denn möglicherweise beginnt der Weg aus der Matrix genau in dem Moment, in dem wir aufhören, automatisch zu reagieren – und anfangen, wirklich bewusst zu leben und die Dinge um uns herum gelassen zu beobachten, ohne Wertung.
Copyright: Alex Miller
Bilder: ChatGPT

Über den Autor:
Alex Miller, Mystiker, Autor und Life Coach lebt am Rande der fränkischen Alb im Nürnberger Land. Er wurde bekannt mit seinem Blog »Gehvoran«, den er zwischen 2010 und 2022 schrieb. Neben Spiritualität, Esoterik und Psychologie gilt sein Interesse der germanischen Mythologie und der Lebensweise unserer Vorfahren. Seiner Überzeugung nach sind sowohl in den alten Mythen als auch in der archaischen Lebensweise viele Lösungen für die heutigen Probleme zu entdecken.





Sehr geehrter Herr Miller.
Sie sprechen mir mit diesem Beitrag aus der Seele. Ich selbst hatte zwei prägende Ereignisse. Das erste war ein Unfall, durch welchen ich eher freier lebte und nachdem Motto lebe: Wenn morgen wieder die Sonne für mich scheint, ist alles gut. Ich nehme seither nicht mehr alles so ernst, Konsum interessiert mich kaum und ich laufe gern mal in die genau entgegengesetzte Richtung, wie erwartet. Mein zweites Erlebnis war, als ich das erste Mal die Edda gelesen hatte. Sie war für mich deutlich klarer in den Aussagen, als die Bibel. Gleichzeitig verspürte das Christentum wie etwas unnatürliches, etwas übergestülptes. Und ich fing an, mich für Mythologie und mystisches zu interessieren.
Das, was Sie schreiben, kann ich so nur bestätigen. Die meisten Menschen nehme ich wie ein Hologramm war, teilweise als seelenlos. Wie, als würden sie nur den Raum auffüllen.
Liebe Grüße aus dem südlichen Thüringen